KNIGGE:
DER UMGANG MIT MENSCHEN
     
  Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht.

Über den Umgang mit sich selbst:
Die Pflichten gegen uns selbst sind die wichtigsten und ersten,
und also der Umgang mit unsrer eigenen Person gewiss weder der unnützeste noch uninteressanteste. Es ist daher nicht zu verzeihn, wenn man sich immer unter andern Menschen umhertreibt, über den Umgang mit Menschen seine eigene Gesellschaft vernachlässigt, gleichsam vor sich selber zu fliehn scheint, sein eigenes Ich nicht kultiviert und sich doch stets um fremde Händel bekümmert. (…)

(…) Hüte Dich also, Deinen treuesten Freund, Dich selber, so zu vernachlässigen, dass dieser treue Freund Dir den Rücken kehre, wenn Du seiner am nötigsten bedarfst. (…)
  (…) Willst Du aber im Umgange mit Dir Trost, Glück und Ruhe finden, so musst Du vorsichtig, redlich und gerecht mit Dir selber umgehn als mit andern, also dass Du Dich weder durch Misshandlung erbitterst und niederdrückest, noch durch Vernachlässigung zurücksetzt, noch durch Schmeichelei verderbest. (…)
(„Über den Umgang mit Menschen“ von  Adolph Freiherr von Knigge, 17. Jahrhundert)